Hütten

Alpe Biordo im Val Grande

Wer im Ossola eine Mehrtagestour unternimmt, der dringt nicht nur in abgelegenste und einsamste Gebiete vor, sondern nächtigt auch in Unterkünften der ganz besonderen Art. Die hiesigen kleinen Biwaks sind in keinster Weise mit den großen bewirtschafteten Alpenvereinshütten der Nordalpen vergleichbar.


Grundsätzlich kann man die Schutzhütten der Region in folgende Kategorien einteilen:

-alte Ställe und Bauernhäuser, äußerst spartanisch

-offizielle Biwakhütten, sehr spartanisch

-private Hütten (meist nur mit Schlüssel zugänglich), etwas komfortabler doch immer noch recht einfach


Dazu gibt es noch einige wenige bewartete Hütten - doch auch diese sind keine Berghotels wie nördlich des Alpenhauptkamms. Sie sind gemütlich, bieten eine gute Küche und sind normalerweise nicht besonders stark frequentiert.



Hier also eine kurze Beschreibung dessen, was uns erwartet.



inoffizielle Unterschlupfe, meist ehemalige Ställe oder Heulager


Alpe Biordo im Val Grande

Diese Steinhäuser bieten nicht mehr als ein Dach über dem Kopf, welches bei Regen oft nicht mehr komplett wasserdicht ist. Sitzgelegenheiten müssen improvisiert werden, die Kochstelle ist üblicherweise in einer Ecke untergebracht, von der der Rauch durch das löchrige Steindach einigermaßen gut abziehen kann. Eine Tür ist, wenn überhaupt, auch nur provisorisch vorhanden. Gepflegt werden solche "Unterkünfte" nur sporadisch von Einheimischen, und natürlich auch von mir oder anderen Wanderern, die sich dafür etwas Zeit nehmen.







typisch italienische Berghütten, meist "Bivacco" genannt


Unter "Bivacco" wird hier weniger ein typisches Biwak im Hochgebirge sondern vielmehr eine spartanische, aber funktionelle Unterkunftsmöglichkeit in einem alten, meist renovierten Steinhaus verstanden.

Es existieren zwei Arten von Bivacco, jene von Privatpersonen oder Vereinen und jene staatlich unterhaltenen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie immer geöffnet und unbewartet sind. Die staatlichen sind oft etwas schlichter und sie sind mehr auf die Funktionalität ausgerichtet, wohingegen in den privaten meist auch die Liebe zum Detail steckt.


Bivacco In la Piana im Val Grande

Sie sind normalerweise in der typischen Steinbauweise errichtet. Viele weisen auch eine gewisse Isolierung auf, und fast alle besitzen einen kleinen Holzofen, der als Kochstelle und Heizung dient. Nicht selbstverständlich sind dagegen Matratzen, oft muss man auf dem blanken Holzboden nächtigen. Auch die Wasserversorgung ist nicht immer gesichert - wo möglich, wurden Brunnen errichtet, die jedoch vor allem im trockenen Herbst des öfteren kein Wasser führen. Brennholz stellt auch immer wieder ein Problem dar, naturgemäß vor allem bei Unterkünften oberhalb der Baumgrenze. Teilweise besitzen die Hütten eine (Solar-)Stromversorgung, doch meist muss man den Raum mit Kerzen erhellen.








ebenfalls typische Steinhäuser und Selbstversorgerhütten, allerdings mit dem Beinamen Rifugio


Rifugio Fondomonfracchio im Valle dei Bagni

Diese Hütten sind deutlich komfortabler, manche von ihnen verfügen sogar über Matratzen, Küchenausstattung und sanitäre Einrichtungen. Man benötigt also weder Isomatte noch Geschirr, was den Rucksack deutlich leichter macht. Allerdings steht man oft vor verschlossenen Türen, da sie privat unterhalten werden und nur mit Schlüssel zugänglich sind. Als Guide habe ich zu den meisten dieser Häuser Zugang, die uns so auf unseren Wanderungen eine gewisse Exklusivität bieten.








bewirtschaftete Hütten des Alpenvereins, ebenfalls als Rifugio bezeichnet


Rifugio Parpinasca nördlich des Val Grande

Anders als weiter nördlich oder in bekannteren Wandergebieten gibt es hier nur wenige dieser relativ komfortablen und auch gastronomisch interessanten Hütten. Eine längere Etappenwanderung mit leichtem Gepäck ist daher kaum realisierbar. Ausnahmen bestimmen jedoch die Regel, so wie entlang der GTA zwischen Formazza, Devero und Veglia (allerdings nicht weiter in Richtung Süden). Seit 2019 ist auch eine viertägige Tour durch das Untere Val Grande für diejenigen möglich, die es am Abend und in der Nacht gerne etwas bequemer haben und dennoch in die Wildnis abtauchen möchten.






Und noch ein kurzer Hinweis für alle, die schon einmal im nahen Kanton Tessin unterwegs waren: Achtung, sämtliche Unterkünfte im Ossola sind keineswegs mit den dortigen Selbstversorgerhütten vergleichbar. Denn im Tessin wurden die meisten einst sehr einfachen Häuser zu oft recht komfortablen Herbergen ausgebaut, inklusive Lebensmittel- und Weinvorrat. So etwas fehlt hier völlig!

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