Sind die Bergunterkünfte im Piemont vergleichbar mit Alpenvereinshütten im Norden?

Mit einem Wort: Nein!

Bivacco Val Gabbio

 

Grundsätzlich kann man die Schutzhütten der Region in zwei Kategorien unterteilen:

-alte Ställe und Bauernhäuser, äußerst spartanisch

-offizielle Biwaks, sehr spartanisch

 

Dazu gibt es noch einige wenige bewartete Hütten - diese sind dann in der Tat mit den großen Häusern des deutschsprachigen Alpenraums vergleichbar. Davon habe ich allerdings keine im Sortiment, zumindest nicht bei Mehrtagestouren...

 

Denn was wäre die Wildnis noch wert mit einer Übernachtung in einer luxuriösen Herberge? Und was ein Abenteuer ohne sich abends sein Strohlager zu richten, die Feuerstelle zu schüren und Wasser im nahen Bach zu schöpfen?

 

Hier eine kleine Beschreibung dessen, was uns erwartet.

 

1) inoffizielle Unterschlupfe, meist ehemalige Ställe oder Heulager

alte Almhütte

Diese Steinhäuser bieten nicht mehr als ein Dach über dem Kopf, und das ist auch nicht garantiert wasserdicht... Sitzgelegenheiten müssen improvisiert werden, die Kochstelle ist üblicherweise in einer Ecke untergebracht, von der der Rauch durch das löchrige Dach einigermaßen gut abziehen kann. Eine Tür ist, wenn überhaupt, auch nur provisorisch vorhanden. Gepflegt werden solche "Unterkünfte" nur sporadisch von Einheimischen, und natürlich auch von mir oder anderen Wanderern, die sich dafür etwas Zeit nehmen.

 

Tourentipp

 

 

2) typisch italienische Berghütten, meist "Bivacco" genannt

Unter "Bivacco" wird hier weniger ein typisches Biwak im Hochgebirge sondern vielmehr eine spartanische, aber funktionelle Unterkunftsmöglichkeit in einem alten, meist renovierten Steinhaus verstanden.Bivacco In la Piana

Es existieren zwei Arten von Bivacco, jene von Privatpersonen oder Gemeinschaften und jene staatlich unterhaltenen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie immer geöffnet und unbewartet sind. Die staatlichen sind oft etwas schlichtere und mehr auf die Funktionalität ausgerichtete Häuser, wohingegen in den privaten meist auch die Liebe zum Detail steckt. 

Sie sind normalerweise in der typischen Steinbauweise errichtet. Viele weisen auch eine gewisse Isolierung auf, und fast alle besitzen einen kleinen Holzofen, der als Kochstelle und Heizung dient. Nicht selbstverständlich sind dagegen Matratzen, oft muss man auf dem blanken Holzboden nächtigen. Auch die Wasserversorgung ist nicht immer gesichert - wo möglich, wurden Brunnen errichtet, die jedoch vor allem im trockenen Herbst des öfteren kein Wasser führen. Brennholz stellt auch immer wieder ein Problem dar, naturgemäß vor allem bei Unterkünften oberhalb der Baumgrenze. Teilweise besitzen die Hütten eine (Solar-)Stromversorgung, doch meist muss man den Raum mit Kerzen erhellen.

 

Tourentipp

 

 

3) Unterkunftshäuser mit dem Beinamen "Rifugio"Rifugio Parpinasca

Diese Hütten sind deutlich komfortabler, manche von ihnen haben sogar sanitäre Einrichtungen. Allerdings steht man oft vor verschlossenen Türen, da sie privat unterhalten und nur auf Anfrage oder am Wochenende geöffnet werden.

 

Tourentipp

 

Die Hütten sind in der Tourenbeschreibung mit einem link hinterlegt, dieser enthält weitere Informationen und aufschlussreiche Bilder.

 

Achtung, sämtliche Unterkünfte sind keineswegs mit den Hütten im Tessin vergleichbar. Dort wurden die meisten, einst sehr einfachen Häuser zu oft recht komfortablen Herbergen ausgebaut, inklusive Lebensmittel- und Weinvorrat. So etwas fehlt hier völlig!

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